Sotiris Tzamouranis, Elektra Tzamouranis und Dimitris Tzamouranis – Durch die Zeit 13|09|18 – 16|11|18 (for english scroll down)

Dimitris Tzamouranis, «39° 21´N - 25° 18´E», 2016, Öl auf Kupfer (40 x 60 cm). Courtesy Galerie Michael Haas.

Rund vier Jahre nachdem Dimitris Tzamouranis 2014 das erste Mal in der zone contemporaine zu Gast war und sein monumentales figuratives Altarwerk «Melancholia» ausgestellt hat, kehrt der ursprünglich aus Griechenland stammende Künstler nach Bern zurück. Neben einer ganzen Serie von neuen Bildern wird die zone contemporaine auch Werke von Dimitris' Vater Sotiris sowie seiner Tochter Elektra ausstellen. Alle drei teilen sich nicht nur die gemeinsame Herkunft und Familie, sondern ebenso ihren Beruf. Während Sotiris Tzamouranis sich in seinen klassisch anmutenden Landschaftsbildern mit seiner Heimat Griechenland befasst, beschäftigt sich Elektra Tzamouranis in ihrer aktuellen Werkserie mit dem Träumen. In ihren abstrakt-figurativen Aquarellarbeiten unternimmt die Kunststudentin den Versuch, diesen nicht klar fassbaren, fliessenden Zustand zwischen Schlaf und Wachheit in seinen unterschiedlichen Farben visuell festzuhalten.

Fliessend im wortwörtlichen Sinne ist auch das Meer, das Dimitris Tzamouranis in seinen Malereien zeigt. Geboren und aufgewachsen in der Küstenstadt Kalamata, erlebte Dimitris das Mittelmeer aus nächster Nähe, in seinen unterschiedlichsten Facetten. Im Vergleich mit dem Atlantik oder dem Indischen Ozean ist es ein vergleichsweise kleines Wasserbecken, dennoch darf das Mittelmeer nicht nur als das ruhige und bekannte «Mare Nostrum» missverstanden werden. Blickt man auf die Meereslandschaften von Dimitris Tzamouranis, so erschliesst sich dem Betrachter kein ruhiges und domestiziertes Bild des Meeres. Schäumend heben sich im Bild «39° 21´N - 25° 18´E» die Wellen unter einem bedrohlich dunkel bewölkten Himmel empor. Kein Mensch und kein Land scheinen von hier aus auch nur annähernd erreichbar zu sein. Gänzlich sich selbst überlassen erscheinen diese Wellen, die sich an irgendeinem Punkt auf einem der Weltmeere befinden könnten. Wäre da nicht der Titel, den Dimitris Tzamouranis dem Bild gab: «39° 21´N - 25° 18´E».
Es handelt sich dabei um die Koordinaten einer von zahlreichen Orten, die Tzamouranis in den vergangenen Jahren mit seinem Segelboot selbst befahren hat. Sie bezeichnen hier nicht nur einen kleinen Punkt auf dem Meer zwischen den griechischen Inseln Lesbos und Limnos, sondern erst durch sie erschliesst sich auch die weitere dramatische Bedeutung des Gemäldes, die in den schäumenden Wellen bereits anklingt: Das hier abgebildete Meer ist weder ruhig noch gezähmt. Im Gegenteil, die Koordinaten beziehen sich auf einen der zahlreichen Orte, an denen in den letzten Jahren ein Flüchtlingsschiff im Mittelmeer gesunken ist. In seiner Bilderserie der Schiffswracks greift Tzamouranis diese Thematik ebenfalls auf, zeigen diese Bilder doch gestrandete Flüchtlingsboote.
In den Medien versinken all diese Schiffe ein zweites Mal, nicht in den Wellen, sondern in einer Flut an Bildern und Nachrichten. Sie werden von der Allgemeinheit kaum mehr wahrgenommen. Tzamouranis' Gemälde hingegen, verorten diese Katastrophen exakt im Mittelmeerraum und können in ihrer Beständigkeit auch als Denkmäler für diese menschlichen Tragödien gelesen werden.

Für die gute Zusammenarbeit dankt die zone contemporaine der Galerie Michael Haas.


About four years after Dimitris Tzamouranis visited the zone contemporaine for the first time in 2014 and exhibited his monumental figurative altarpiece «Melancholia», the artist, originally from Greece, returns to Bern. In addition to a whole series of new images, the zone contemporaine will also exhibit works by Dimitris' father Sotiris and his daughter Elektra. All three share not only the common origin and family, but also their profession. While Sotiris Tzamouranis deals with his homeland of Greece in his more classical landscape paintings, Elektra Tzamouranis deals with dreams in her current series of works. In her abstract-figurative watercolour works, the art student attempts to visually capture this unclear, flowing state between sleep and alertness in its different colours.

Literally flowing is also the sea that Dimitris Tzamouranis shows in his paintings. Born and raised in the coastal town of Kalamata, Dimitris experienced the Mediterranean up close, in all its many facets. Compared to the Atlantic Ocean or the Indian Ocean, it is a comparatively small water basin, yet the Mediterranean can not only be misinterpreted as the calm and familiar «Mare Nostrum». If one looks at the seascapes of Dimitris Tzamouranis, the viewer will not see a calm and domesticated image of the sea. In the picture «39° 21´N - 25° 18´E», the waves rise foamingly under a threateningly dark cloudy sky. No man and no country seem to be even close to reach from here. Left to themselves, these waves appear to be at some point on any of the oceans. If there was not the title Dimitris Tzamouranis gave to the picture: «39° 21´N - 25° 18´E».
These are the coordinates of one of the many places Tzamouranis has sailed in his own sailboat in recent years. They do not only refer to a small point on the sea between the Greek islands of Lesbos and Limnos, but yet through them the dramatic significance of the painting that already echoes in the foaming waves becomes apparent: the sea pictured is neither calm nor tamed. On the contrary, the coordinates refer to one of the many places where a refugee ship has sunk in the Mediterranean in recent years. In his series of pictures of shipwrecks, Tzamouranis also picks up on this topic, while these pictures show stranded refugee boats.
In the media, all these ships sink a second time, not in the waves, but in a flood of images and news. They are barely noticed by the general public. Tzamouranis' paintings, on the other hand, locate these catastrophes exactly in the Mediterranean and can be read in their permanence as monuments to these human tragedies.

Special thanks for the collaboration to the Galerie Michael Haas.